Das iPhone 12 ohne Zubehör – der Umwelt zuliebe. Nach dieser Ankündigung blieb der Greenwashing-Vorwurf nicht fern. Denn heute werben immer mehr Hersteller mit nachhaltigen Produkten und Prozessen – doch mit der Realität passt das häufig nicht zusammen. Wie nachhaltig ist also die Smartphone-Industrie wirklich?

Das Smartphone ist für viele sowohl ständiger Alltagsbegleiter als auch Statussymbol. Jedes Jahr ein neues Gerät? Das war lange Zeit selbstverständlich. Doch mit schwindenden Ressourcen und einem wachsenden Umweltbewusstsein rückt Nachhaltigkeit nun auch in der Smartphone-Industrie immer mehr in den Vordergrund. Und das zurecht: Denn allein die Geräte in Europa sorgen jährlich für einen Ausstoß von über 14 Millionen Tonnen CO2e (CO2-Äquivalent), wie ein Bericht des European Environmental Bureau zeigt. Außerdem wird die Menge an Elektroschrott jedes Jahr größer, wobei wertvolle Ressourcen verloren gehen – mehr zur Problematik lesen Sie in diesem Blog-Beitrag. Smartphones sind also alles andere als vorteilhaft für unsere Umwelt.

Die Umweltinitiativen großer Smartphone-Hersteller: Alles nur Greenwashing?​

In den letzten Jahren rufen deshalb immer mehr Hersteller neue Umweltinitiativen ins Leben. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Ankündigung von Apple, beim iPhone 12 keine Netzteile und Kopfhörer mehr mitzuliefern. Das Argument: Durch den Transport kleinerer Verpackungen können Ressourcen und CO2 eingespart werden. Auf seiner Website schreibt Apple dazu: „Diese Netzteile aus dem Lieferumfang zu entfernen, war ein mutiger Schritt für Apple und ein notwendiger für unseren Planeten.“

Vorwürfe ließen hier nicht lange auf sich warten. Denn die Vorstellung, dass Nutzer ihre bestehenden Kopfhörer und Netzteile für immer weiterverwenden werden, ist dabei recht unrealistisch – und bei einem Wechsel von Android auf Apple erst gar nicht möglich. So entsteht für Apple vor allem ein wirtschaftlicher Vorteil. Neben der Einsparung von Lieferkosten kann der Hersteller das Zubehör nun nämlich extra verkaufen und sich damit eine zusätzliche Einnahmequelle aufbauen. Auch über die ökologische Sinnhaftigkeit lässt sich streiten. Denn sobald Zubehör separat gekauft werden muss, verursacht der zusätzliche Transport natürlich auch Emissionen und erfordert Verpackungsmaterial.

Ungereimtheiten beim Klimaschutz fallen bei diversen Unternehmen auf. Eine Studie zu den 20 bedeutendsten Elektronikherstellern zeigte 2014: 85% der Firmen engagierten sich offiziell für die Vermeidung von Konfliktmaterialien – doch nur zwei Hersteller, Apple und Fairphone, konnten den Einsatz konfliktfreier Rohstoffe tatsächlich belegen. Außerdem wurde 2017 in einem Greenpeace-Bericht festgehalten, dass nur 6 der 17 untersuchten Elektronikunternehmen eine Liste ihrer Zulieferer veröffentlichen. Die Lieferketten sind also meist intransparent und soziale oder ökologische Maßnahmen damit auch nur schwierig überprüfbar.

Wie die Smartphone-Industrie wirklich nachhaltiger wird​

Eine längere Nutzungsdauer, eine verantwortungsvolle Ressourcenbeschaffung und die Möglichkeit zur Reparatur zählen zu den wichtigsten Aspekten, um die Smartphone-Industrie nachhaltiger zu machen. Denn eines der Hauptprobleme besteht darin, dass Hersteller jedes Jahr ein neues, noch besseres Modell auf den Markt bringen. So gibt es für Konsumenten wenig Anreiz, die Geräte so lange wie möglich zu nutzen – man möchte schließlich keinen Trend verpassen und nicht technisch „hinterher sein“. Doch auch, wer sein Telefon nicht für das neuere Modell austauschen möchte, kommt früher oder später an den Punkt der eingestellten Software-Updates und des vollen Speicherplatzes. Solange hier nicht nachgerüstet werden kann, ist auch eine längere Gerätenutzung nicht sinnvoll möglich.

Im Mai 2021 hat eine Gruppe europäischer Mobilfunkanbieter ein neues Bewertungssystem für Mobiltelefone vorgestellt: Das Eco Rating. Hiermit sollen zukünftig Langlebigkeit, Reparatur- und Recyclingfähigkeit, Klimaverträglichkeit und Ressourcenschonung neuer Geräte bewertet werden, wodurch Konsumenten eine nachhaltige Kaufentscheidung vereinfacht wird. Das Rating soll also für mehr Transparenz und Umweltbewusstsein sorgen – es stößt aber nicht in der gesamten Branche auf Unterstützung. Konzerne wie Apple und Google beteiligen sich gar nicht am Projekt, und auch der Hersteller Fairphone, der sich eigentlich stark für einen Wandel in der Branche einsetzt, ist nicht dabei. Dieser begründet die fehlende Kooperation damit, dass Kriterien wie die soziale Verantwortung im Rating nicht berücksichtigt werden. Somit wären die Anstrengungen des Herstellers in der Bewertung nicht ausreichend repräsentiert.

Abseits des Eco Ratings gilt die niederländische Firma Fairphone als Nachhaltigkeits-Vorreiter. So erreichte der Hersteller im Greenpeace-Ranking von 2017 den ersten Platz. Nach eigenen Aussagen legt Fairphone „von der verantwortungsbewussten Materialbeschaffung bis zum Engagement für das Wohlergehen der Arbeitskräfte“ alle Prozesse offen und setzt darüber hinaus auf ein modulares Gerätedesign, bei dem Akku, Display und andere Komponenten einfach ausgetauscht werden können. Auch die deutschen Shiftphones sind in ihre Einzelteile zerlegbar und mithilfe von Tutorials einfach selbst zu reparieren. Beide Firmen kümmern sich außerdem um die Rücknahme und das Recycling der Geräte.

Muss man sich für ein nachhaltigeres Smartphones nun also von Weltkonzernen verabschieden und stattdessen auf umweltfreundliche Start-Ups setzen? Das wäre zumindest eine Möglichkeit. Doch trotz der Greenwashing-Vorwürfe gibt es auch von den großen Herstellern immer mehr Initiativen, die das Potenzial für echte Verbesserungen mitbringen. So beispielsweise die Pläne von Samsung und der Telekom, ein neues, leicht reparierbares Smartphone mit Wechselakku zu entwickeln. Und auch Apple, das im Nachhaltigkeits-Ranking von Greenpeace den zweiten Platz belegt, hat ambitionierte Pläne und möchte bis 2030 jedes seiner Produkte CO2-neutral machen. Schon jetzt laufen Apples Rechenzentren mit erneuerbarem Strom und für die Gehäuse der Geräte kommt zu 100% recyceltes Aluminium zum Einsatz. Ob Marketing-Vorteil oder nicht – das sind Schritte in die richtige Richtung.

Wenn Sie als Verbraucher nachhaltig handeln möchten, können Sie also Nachhaltigkeits-Ratings oder Berichte der Hersteller in Ihre Kaufentscheidung einbeziehen. Es ist jedoch genauso wichtig, die eigene Nutzung zu hinterfragen. Im Idealfall kaufen Sie wirklich erst dann ein neues Gerät, wenn Ihr Aktuelles nicht mehr funktionsfähig ist. Und möchten Sie doch schon früher das neueste Modell, ist die richtige Entsorgung Ihres Altgeräts entscheidend. Häufig können gebrauchte Geräte durch IT-Remarketing wiederaufbereitet und weiterverkauft werden – so bleiben Ressourcen so lange wie möglich im Umlauf.

Fazit​

Mit Fairphone und Shiftphone könnte man wohl von einer neuen Generation von Smartphones sprechen: Diese orientieren sich an strengen Kriterien für Nachhaltigkeit und soziale Bedingungen und legen viel Wert auf Transparenz. Etablierte Smartphone-Anbieter geraten hingegen oft in Kritik für ihre Umweltmaßnahmen, denn die Trennlinie zwischen ökologischen und wirtschaftlichen Motiven ist teils schwer ersichtlich. Trotzdem ist es wichtig und richtig, dass immer mehr Initiativen für den Umweltschutz entstehen. Um die Umweltbelastung durch die Produktion und Nutzung von Smartphones signifikant zu reduzieren, ist nämlich ein Umdenken der gesamten Branche und auch der Verbraucher nötig – und das so schnell und umfassend wie möglich.

Die längere Nutzungsdauer ist hierbei einer der wichtigsten Aspekte. Werden Geräte nicht mehr benötigt, sollten diese durch IT-Remarketing in einen zweiten Nutzungskreislauf gelangen. Als professioneller Dienstleister legen wir bei der DELIT besonderen Wert darauf, Umweltschutz und Datensicherheit zu kombinieren. Gerne beraten wir Sie zum sicheren Ankauf Ihrer Business-Geräte.

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